Portraitaufnahme von Stefan Rostock

5 Fragen an Stefan Rostock vom Germanwatch e.V.

Stefan Rostock, Geograph und Theologe, arbeitet als Leiter des Teams Bildung für nachhaltige Entwicklung bei Germanwatch e. V. Darüber hinaus berät und vernetzt er als Fachpromotor für Klima und Entwicklung zivilgesellschaftliche Akteure in NRW und ist als Bundeskoordinator des Fachforums Umwelt, Klima, Rohstoffe und Entwicklung bei der Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt-Landesnetzwerke in Deutschland e. V. tätig.

BNE.NRW: Beschreiben Sie in drei Schlagworten ihr Engagement für BNE.

Stefan Rostock: ganzheitlich, empowernd & begeisternd – politisch, transformativ & Strukturen verändernd – wissenschaftsbasiert, demokratisch & partizipativ

BNE.NRW: Warum hält Germanwatch ein starkes zivilgesellschaftliches und politisches Engagement als besonders wichtig, um die 17 Globalen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen?

Stefan Rostock: Die Verringerung des eigenen sozialen und ökologischen Fußabdrucks ist ein sehr gutes Bildungsinstrument, es hilft den gesellschaftlichen Diskurs hin zu mehr Nachhaltigkeit zu entwickeln. Aus so entstandenen Projekten entstehen Erfahrungen, die die Vision einer nachhaltigen Zukunft aufscheinen und umsetzbar erscheinen lassen. Transformativ ist BNE, wenn sie mithilft Strukturen bleibend zu verändern. Der politische Handabdruck des eigenen sozialen und ökologischen Engagements macht es anderen leichter, sich nachhaltig zu verhalten. Dabei ist uns wichtig, dass die selber entwickelten oder angebotenen Handlungsoptionen auch zur Größe der Herausforderung passen. Aktive Jugendliche wollen wirklich Strukturen bleibend verändern und geben sich nicht länger mit Strohfeuerprojekten oder Informationsarbeit zufrieden.

BNE.NRW: Wie kann Bildung für eine nachhaltige Entwicklung das Engagement der Bevölkerung fördern?

Stefan Rostock: BNE macht deutlich, dass wir in Zeiten der Transformation leben und sie selber mitgestalten können. Zwei Dimensionen sind hier für BNE wichtig:
Erstens Ermutigung: Jeder Ort, an dem sich unsere gesellschaftlichen Teilsysteme hin zu mehr Nachhaltigkeit verändern, wird zunehmend als Bildungsort für BNE entdeckt. Zweitens Empowerment: BNE selber befähigt Menschen, sich selber und die (Teil-)Gesellschaft in der sie leben zu transformieren (nach dem UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung).

BNE.NRW: Wie schaffen Sie den Transfer von der internationalen Ebene hin zu konkreten Bildungsmaßnahmen?

Stefan Rostock: Das Wissen um die internationale Ebene (dazu zählen das UNESCO-Programm ESD2030 oder der Artikel 12 des Pariser Klimaabkommens) motiviert Akteure, sich in ihrem Aktionsradius konkret für ambitionierte Veränderungen einzusetzen.  Und es gibt Rückendeckung dafür, wirkliche (auch zunächst unbequeme) Veränderungen einzufordern und umzusetzen.

BNE.NRW: Und anders herum, wie beeinflussen BNE-Maßnahmen die politische Verhandlungsebene?

Stefan Rostock: Entscheidungsträger sind die entscheidende Zielgruppe von BNE. Schüler*innen lernen, wie sie ihr Anliegen im Dialog mit Entscheidungsträgern vorbringen und umsetzen können. Entscheidungsträger werden auf ihre Verantwortung den jetzt und zukünftig lebenden Menschen gegenüber aufmerksam gemacht. Mittels BNE wird nachhaltige Politik – den globalen und lokalen sozialen und ökologischen Herausforderungen entsprechend - ambitioniert weiterentwickelt, vorangetrieben und politisch unterstützt.

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