Portraitaufnahme von Kathrin Prassel

5 Fragen an Kathrin Prassel vom Landesjugendring NRW

Kathrin Prassel ist Referentin für Bildungspolitik, Nachhaltigkeit und Digitalisierung beim Landesjugendring NRW. Gemeinsam mit den Mitgliedsverbänden und dem Vorstand des Landesjugendrings NRW entwickelt sie Perspektiven für jugendgerechte Bildungslandschaften, für eine klimagerechte lebenswerte Zukunft innerhalb der planetaren Grenzen sowie digitale Chancen für junge Menschen.

BNE.NRW: Beschreiben Sie bitte in drei Schlagworten ihr Engagement für BNE.

Kathrin Prassel:  Lobbyarbeit für und Unterstützung von BNE-Aktiven in Kinder- und Jugendverbänden.

BNE.NRW: In Zeiten von Fridays for Future hat das politische Engagement junger Menschen neuen Aufschwung erlebt. Woher kommt diese neue Motivation?

Kathrin Prassel: Erstens: Die Notwendigkeit ist offensichtlich: Junge Menschen sehen ihre Zukunft durch die Klimakrise berechtigterweise massiv bedroht und wollen dies nicht hinnehmen. Zweitens: Die Möglichkeiten sind da: Ein großer Teil der heutigen Generation junger Menschen ist gebildet, informiert und (digital) vernetzt. Es gibt neue Wege, sich ins gesellschaftliche Leben und in politische Diskurse einzumischen und sich zu engagieren.

BNE.NRW: Welchen Einfluss hat Bildung für nachhaltige Entwicklung auf das politische Interesse und Handeln junger Menschen – und umgekehrt?

Kathrin Prassel:  BNE informiert nicht nur über globale Zusammenhänge, sondern regt das eigene kritische Denken an. Idealerweise eröffnet sie Handlungsmöglichkeiten im eigenen Umfeld und setzt so den (bei jungen und alten Menschen gleichermaßen verbreiteten) Ohnmachtsgefühlen etwas entgegen. Sie befähigt Menschen, selbst aktiv zu werden und politische Rahmenbedingungen für eine lebenswerte Zukunft einzufordern. BNE kann sowohl spontaner Anstoß als auch langfristige Antriebskraft für politisches Handeln sein. Im alltäglichen Handeln von Jugendverbänden mit ihren Feriencamps, Bildungsprojekten und Gruppenstunden gibt es häufig auch Momente der Bildung für Nachhaltige Entwicklung – ohne, dass sie zwangsläufig so genannt werden.

BNE.NRW: Die Aktion #TeileDie17 zeigt, wie viele Akteure in NRW sich bereits für die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Wie kann erreicht werden, dass sich auch die breite Masse mit den SDGs befasst?

Kathrin Prassel:  Die SDGS bieten die Chance, einen positiven und hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft zu richten, indem sie das Potenzial und die Vorteile nachhaltiger Entwicklung in den Vordergrund stellen. Dieser bleibt jedoch oft abstrakt. Die Ziele müssen deshalb immer wieder mit konkreten Visionen, Argumenten und meist auch mit Zahlen unterfüttert werden. Auf politischer EU-, Bundes- und Landesebene genauso wie in Wirtschaft und Industrie. Um Menschen überzeugen zu können, müssen sie dort abgeholt werden, wo sie stehen. Das macht es so komplex.

BNE.NRW: Ein Blick in die Zukunft – sind wir auf einem guten Weg?

Kathrin Prassel:  Ein klares „wir“ sehe ich in diesem Zusammenhang nicht. Es gibt viele bemerkenswerte zivilgesellschaftliche Initiativen, innovative Unternehmen und engagierte Einzelpersonen, die auf einem wirklich guten Weg sind und sich jenseits von politischen Rahmenbedingungen für eine ökologische und soziale Zukunft stark machen. Die Zivilgesellschaft kann und muss hier weiterhin ein Hebel für Veränderung sein, indem sie Andere ansteckt und Druck auf Entscheidungsträger_innen ausübt.

Was ich auf der politischen Ebene derzeit beobachte, ist lange nicht ausreichend. Zwar gibt es zaghafte Schritte, wie beispielsweise das Verbot von Einwegplastik auf EU-Ebene oder der Ausbau von Radwegen in Kommunen. Doch viel zu oft noch treffen verantwortliche Politiker_innen Entscheidungen, die im absoluten Widerspruch zu Klima- und Naturschutz stehen. Die NRW-Landesregierung macht es in ihrem neuen Landesentwicklungsplan und der darin festgelegten „Entfesselung der Wirtschaft“ zulasten des Ausbaus von Windkraft und des Schutzes von Naturflächen gerade vor. Ein guter Weg in eine nachhaltige Zukunft braucht andere Maßnahmen.

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