Ute Symanski spricht auf einer Veranstaltung

5 Fragen an Dr. Ute Symanski von Aufbruch Fahrrad und RADKOMM

Dr. Ute Symanski ist Coach und Strategieberaterin für Wissenschaftsorganisationen, Kommunen und Städte. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Thema Nachhaltigkeit. Wie können die Mitarbeiter*innen und Mitglieder in den Organisationen ein noch größeres Bewusstsein für Nachhaltigkeit entwickeln? Wie werden Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu Querschnittsthemen, denen alle sich verpflichtet fühlen? Wie gelingt der Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen der Beteiligten? Zu diesen Fragen führt Ute Beratungsprozesse durch.

BNE.NRW: Beschreiben Sie bitte in drei Schlagworten ihr Engagement für BNE.

Ute Symanski: Ich berate Wissenschaftsorganisationen und Städte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, bin Vorsitzende des think tanks RADKOMM – Kölner Forum Radverkehr und, glaube ich, die erste Frau, die in unserem Land eine Volksinitiative zu einem Mobilitätsthema initiiert und erfolgreich durchgeführt hat.

BNE.NRW: Warum haben Sie die nachhaltige Mobilität als ihr Steckenpferd gewählt?

Ute Symanski: Mein eigentliches Steckenpferd ist die Frage, wie wir unser Zusammenleben gestalten und was es für Begegnungsräume für Menschen braucht, damit eine Gesellschaft offen und tolerant und empathisch bleiben kann. In unserem Kulturkreis haben wir den öffentlichen Raum, der für diese Begegnung zwischen Menschen gebraucht wird, vor allem zu einem Mobilitätsraum gemacht. Die Straßen sind in erster Linie für den Verkehr geplant. Natürlich den Autoverkehr. Menschen sind hier störende Elemente, die sich den vermeintlichen Bedarfen des Autoverkehrs unterzuordnen haben. Ich bin davon überzeugt, dass die Gestaltung unserer Mobilität entscheidend dazu beiträgt, wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen. Ohne eine menschengerechte, zugewandte Mobilität, die das menschliche Maß zum Maß aller Dinge macht, kann es kein freudiges, entspanntes und emphatisches Miteinander in der Stadt geben. Stattdessen haben wir genau den Zustand, der unser Miteinander auf der Straße aktuell prägt: Stress, Aggression, Rücksichtslosigkeit. Die Verkehrsplanerin Janette Sadik-Khan aus New York hat das ganz wunderbar auf den Punkt gebracht: „Man kann die Welt verändern, wenn man die Straßen verändert.“

BNE.NRW: Welche Rolle spielt Bildung für den Kulturwandel hin zu einer nachhaltigen Mobilität?

Ute Symanski: Bildung ist der Schlüssel zu einer jeden Verhaltensänderung. Menschen werden dann ihr Verhalten verändern und gesellschaftliche und politische Veränderungen mittragen, wenn sie davon überzeugt sind, dass diese Veränderungen richtig und wichtig sind. Bildung ist die Grundlage für Verstehen und für das notwendige Verständnis für die Umbrüche, die uns bevorstehen. Das gilt für alle Nachhaltigkeitsthemen, nicht nur für die Mobilität.

BNE.NRW: Sie plädieren für die Vernetzung von Gleichgesinnten als wichtige Grundlage Ihrer Arbeit. Wie stärkt die Vernetzung von BildungsakteurInnen deren Bildungsaktivitäten für eine nachhaltige Entwicklung?

Ute Symanski: Als soziale Wesen wachsen wir Menschen in sozialen Gemeinschaften. Das gilt für alle Lebensbereiche, auch für unser Wissen. Wenn Menschen in Netzwerken ihr Wissen zusammentragen und teilen, bringt das einen kollektiven Wissenszuwachs, den ein Mensch alleine gar nicht leisten kann. Niemand hat die Zeit und die Ressourcen, das verfügbare Wissen alleine zu erschließen.  Zweitens erlebe ich immer wieder, wie sehr Netzwerke Instrumente des Empowerments sind. Sich mit Menschen auszutauschen, die für ein gemeinsames Ziel oder Thema brennen, gibt sehr viel Kraft.

BNE.NRW: Wie sollte Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in Zukunft aussehen?

Ute Symanski: Wenn ich mir das wünschen dürfte, so würde es einen echten Paradigmenwechsel in allen Bildungseinrichtungen geben. Egal ob in der Kita, der Schule oder der Hochschule: Die Frage, was wir alle, jede einzelne von uns, und wir alle als Gesellschaft, konkret tun können, um Ressourcen zu schonen, die Umwelt zu schützen und dem Klimawandel entgegenzuwirken, sollte im Vordergrund stehen. „Degrowth leben“ – das wäre das neue Bildungsparadigma meiner Wahl.

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